5. March 2013

Das Ende der Timeline

In der vergangen Woche fand an der Leuphana Universität in Lüneburg von Donnerstag bis Samstag der Kongress: Video Vortex statt. Ein wissenschaftliche Veranstaltung mit dem Ziel, das Wesen von Webvideo umfassend zu durchdringen und neue Theorien zu entwickeln. Wenn man den vortragenden Wissenschaftlern und Experten glauben darf, hat die Idee der Timeline bald ausgedient.

Die bereits neunte Veranstaltung in dieser Reihe seit 2007 brachte einen für mich wesentlichen Gedanken im Zusammenhang mit Webvideo auf: Die Loslösung von der Idee einer Timeline, der Abschied von der Vorstellung von Video als digitalisierter Film, der als geschlossene Form immer ein Anfang und Ende haben muss. Andreas Treske versuchte sich gleich an einer „Theory for the YouTube Generation“ mit der Überschrift: The Inner Life of Video Spheres. Wie es der Titel bereits andeutet, definiert er darin alle im Netz verfügbaren Videos als Sphäre, als ein zusammenhängendes Ganzes, bei dem ein Video auf dem anderen aufbaut, wo jedes mit jedem in Zusammenhang steht. Dabei ist es unerheblich, ob und welches Video am Anfang einer Entwicklung wie aktuell Harlem Shake stand.

Video als fortwährende Transformation

Wer YouTube betritt, begibt sich also in diesen Raum, kommuniziert, interagiert, beobachtet, teilt und wird so Teil einer Realität, die mit der Realität da draußen korrespondiert und sich direkt auf sie auswirkt. Die Transformation von einem Video zum nächsten wird wichtiger als das Video-(Objekt) selbst. "Reale" Realität und Video-Realität können dabei verschmelzen, das zeigte der Vortrag "First Person Shooters", der Sequenzen aus Videogames mit real gedrehtem Footage mischte und wo man als Zuschauer an manchen Stellen den Übergang nicht mehr mitbekam. Im Vortrag the cairo case wurde dann beschrieben wie sich diese Idee ganz konkret im öffentlichen Raum auswirkt. Etwa wenn im Revolutionsjahr 2011 die auf dem Tahrir-Platz öffentlich vorgeführten Videos von den vorangegangenen Demonstrationen bei den Teilnehmer der Vorführung erst das Bewußtsein für die Bedeutung der von ihnen selbst initiierten Aktionen schuf – und das obwohl die meisten Teilnehmer der Vorführung selbst an den Demos teilgenommen hatten.

Multi-Perspektive

In verschiedenen Experimenten wurden dann Versuche gezeigt, die multi-perspektivische Sichtweise der Kamera bei dokumentarischen (crowdgesourcten) Videos sichtbar zu machen. Entweder durch eine mulit-player-Installation oder die Möglichkeit für den User, sich seine Sequenzabfolge selbst zusammenzustellen. Die von der Sichtweise des Autors geprägte Erzählstruktur klassischer Nachrichtenbeiträge oder Dokumentarfilme löste sich dabei vollständig auf. Die so entstehende, scheinbar neutrale, Erzählung entwickelt sich fortan nur noch beim jeweiligen Betrachter im Kopf. Ein Phänomen, das auch auf Youtube zu beobachten ist. Dort führt der Algorithmus die Regie, indem er dem Betrachter die Auswahl des nächsten Videos vorschlägt - auch entstehen Erzählstrukturen.

Dark Amateurism

Schließlich wurde bei Dark Amateurism eindrucksvoll demonstriert, dass auch die Feinde der Demokratie ihr Videohandwerk beherrschen und zwar am Beispiel der griechischen Rechtsextremen der Golden Dawn Partei. Statt „klassische“ Porpaganda-Videos mit einer Priese Führerkult zu produzieren, verlegen sich die Rechten auf die Aufnahme von Videos im Look von eines Bürgerjournalismus: gezielt aus dem Blickwinkel eines vermeintlichen Augenzeugen oder des einfachen Manns auf der Straße gedreht. In einem Video beispielsweise wird man Augenzeuge, wie rechte Gruppen sich gegen illegale Händler auf einem Markt wehren und wird damit auf geschickte Weise selbst zum Augenzeuge der Szene. Anderes als bei klar erkennbarer Propaganda, ist es jedoch schwierig, sich sofort davon zu distanzieren. Denn der Trick ist: Die Videos könnten genauso gut von Anti-Fa-Leuten online gestellt worden sein. Sie dienen gleichzeitig als Beleg von rechten Ausschreitungen UND deren Rechtfertigung! Nelli Kambouri and Pavlos Hatzopoulos bezeichneten das in ihrem Vortrag als eine gefährlich Form des Microfaschismus, der sich auch auf den Videoportalen breit macht, nach dem Motto: Cult of the Amateur statt Führerkult. Treske deute in seinem Theorieansatz all diese Entwicklungen so: „Online Video has reached a state that no longer corresponds to the conventional idea of simple, temporal media objects. Its status has shifted from being merely close to us to being together with us. … we are with online video in the world.“ -- Julius Endert (julius01)--

Kommentare

24. March 2013

Margo

Hello again!So – jetzt gibt’s noch mein Feedback zur Rundshow: IDEE: War und ist grandios! Es war ffcr mich sehr spnennad, mitzuerleben, wie die Idee ganz allme4hlich wuchs und Gestalt annahm. Und sie ist eine logische Weiterentwicklung von all dem, was ich bislang von Richard Gutjahr erlebt habe – seine Gedanken, seine blogposts, seine tweets. Und es ist ja noch immer so (was ich gut finde!), dass solch ein Format im TV (noch dazu im f6ffentlich rechtlichen!) einen weitaus hf6heren Stellenwert und auch grf6dfere Professionalite4t signalisiert als „irgendso ne kleine Internet Sendung“). MODERATOREN: Ja, Richard war meinem Empfinden nach schlicht und ergreifend sehr menschlich: Mal mochte er das Thema und die Ge4ste mehr, mal ein bisschen weniger. Mal war er mit mehr Feuereifer und Engagement dabei – manchmal weniger. Ja, letztendlich steht sein Name unter dem Projekt und da lastet logischerweise mehr Druck auf ihm als z.B. auf den Co-Moderatoren oder den Leuten im Hintergrund. Ein Impuls von mir dazu, Richard: Wenn Du schon angespannt bist oder nervf6s, weil irgendwas nicht funktioniert oder der Plan durcheinander geworfen wurde: Dann fcberspiel es nicht – so hab ich es zumindest manchmal empfunden – mit Aktionismus, komischen Witzchen oder „ich geh schnell drfcber weg, dann merkts vielleicht keiner!“. Nein , steh doch einfach dazu: Schrei einmal laut und heftig „Scheiss Technik“ oder sag, dass du grad im Augenblick n bisschen fcberfordert bist. Das ist allzu menschlich und logisch in solch einem Format, was an Live Charakter nicht zu fcberbieten ist. Es entlastet dich. Und es macht dich nahbar, menschlich und authentisch.(So – Coach Modus wieder off )Die drei Gastmoderatoren deckten ein weites Spektrum ab – hat mir gefallen: Daniel Fiene ist einfach sehr reizend und mit feinem Humor. Sascha Lobo ist einfach Sascha Lobo – man liebt ihn oder findet ihn zum Kotzen. Und er war meinem Empfinden nach kaum Moderator, sondern vielmehr Gast. (was zu diesem Thema auch ok war – Digitaler Arbeitsplatz und neue Selbste4ndigkeit – weil er da verdammt viel zu sagen hat. Generell erwarte ich mir jedoch von einem Moderator weniger Raum-einnehmen und weniger eigene Redezeit!!). Und die dritte im Bunde, Sandra, kam mir ein wenig zu blass rfcber. Sehr hfcbsch, aber – im Gegensatz zu Sascha – zu wenig Worte. THEMEN: Alles prima. Ihr habt jeden Tag abstimmen lassen zw. 2 Themen – das passte zum Konzept und vor allem: Ihr habt nicht den Fehler gemacht, das allzu demokratisch anzugehen – Ihr selbst habt Themen vorgeschlagen und es gab 2 zur Wahl – basta. Ansonsten he4tts sicher allein den ganzen Tag gebraucht, um die Netzgemeinde nach Themen zu fragen….ohne je zur Einigung kommen zu kf6nnen. Die Themen waren extrem tagesaktuell – das war inhaltlich der allergrf6dfte Pluspunkt der Sendung: Aus einem tagesaktuellen Thema nicht nur einen 3- oder 5-Minfcter ffcr die Tagesthemen zu machen, sondern flugs mal 30 bzw. 45 Minuten – Hochachtung! Das ist guter und grodfer Journalismus!HANGOUT UND SKYPE: Hmmm, da bin ich sehr zwiegespalten: Einerseits haben mir die von Euch rausgesuchten und geladenen Ge4ste zu den jeweiligen Themen sehr gefallen. Andererseits – und da gibt’s 2 Aspekte.Zum einen war ich allzu oft von der Technik SEHR SEHR SEEEEHR genervt: Hintergrundgere4usche, Sprachverzf6gerungen, Ausfe4lle, Bild und Ton nicht synchron etc. Das hat mich, ehrlich zugegeben, 2 oder 3 Mal frfchzeitig abschalten lassen, weils mich nur noch aggressiv machte. (Und schliedflich wurde ich ja auch persf6nlich Opfer der Misttechnik: In der Sendung, in der Ihr mich ins Hangout geladen hattet als Expertin und Coach, hatt ich ne Menge zu sagen – tat ich dann ja auch, nur hf6rte mich keiner!! Was mir Richard dann auch zu spe4t sagte…..grrrr! ( )Und noch etwas, ganz ehrlich: Viele der ungeladenen Hangout Ge4ste, die sich einfach so dazugeschaltet hatten, waren ziemlich dolle fcberflfcssig! Demokratie und Publikumsne4he hin oder her: Aber die hatten nichts grodfartiges zu sagen, stotterten z.T. ziemlich rum und erweckten bei mir den Anschein, einfach mal nur ins TV kommen zu wollen. NOCH EIN NEGATIVPUNKT: Es war mir oft schlichtweg zuviel los in der Sendung. Es war zu hektisch, zuviele Ge4ste sollten ihre Meinung sagen, dazwischen noch Cartoon Filmchen und Moderatoren. Puuh, das passt nicht zur spe4ten Stunde und das passt m.E. auch nicht zu fundierter journalistischer, tiefgrfcndiger Aufarbeitung eines Themas. Mir schiens, als ob Ihr derart technikverliebt und stolz auf diese diversen Mf6glichkeiten ward, dass alles, aber auch wirklich ALLES rein musste in die Sendung. Hier ge4lte: Weniger ist mehr. EIN GROSSER PLUSPUNKT: Ich war teilweise regelrecht begeistert und auch berfchrt, mit welchem Feuereifer Ihr alle dabei seid – deshalb hab ich mir auch immer gern die Redaktionskonferenz angesehen. Feuereifer, wirkliches ffcr-den-Job-Brennen, Begeisterung, Erfindergeist, Liebe zum Format, grodfe Kollegialite4t…..All das war und ist einfach grodfartig!!(boaaah, jetzt wird ich noch sentimental!). Ich wfcrd mir sehr wfcnschen, irgendwann mal eine wf6chentliche Rundshow im BR weitererleben zu dfcrfen. Und dann komm ich als Expertin ffcrs Thema Selbstbewusstsein, Coach und Buchautorin auch als Gast mal zu Euch ins Studio. INS STUDIO!!! Weil: Hangout und Skype ist mir verleidet worden Machts gut, seid stolz auf Euch und feiert schf6n. (Ach ja, und geniedft morgen mal wieder das Ausschlafen *gg*).Herzlichst, Bettina Stackelberg

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